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Mittwoch, 20. September 2017

Der Stalker

Der Mann sitzt gestern in einer Kartenspielrunde als der Halbbruder mit seiner Lebensgefährtin ins Lokal kommt.

Um 21 Uhr beenden die Kartenspieler ihre Runde. Der Mann verabschiedet sich und im Gehen wird er vom Halbbruder aufgehalten und an seinen Tisch zitiert:

"Komm her, sitz dich zu mir und trink was"
"Nein, mag ich nicht, ich bin dahin."
"Ah so. Was tust du am ersten Samstag im Oktober?"
"Das weiß ich heute nicht."
"Dann kannst du dir ja frei halten."
"Nein, weil ich nicht weiß was ich an dem Tag mache."
Der Halbbruder wird aggressiver.
"Du wirst wohl einmal Zeit haben."
"Nein, ich weiß nicht was ich in zwei Wochen machen will."
"Ja dann weißt du es jetzt."
"Nein, wir haben den Campingbus und wenn schönes Wetter ist fahren wir weg."

Der Mann geht aus der Stube.
Er bekommt noch mit, dass die Lebensgefährtin zum HB sagt: "Wenn er keine Zeit hat, dann hat er keine Zeit."


Ich komme heute am späteren Abend auf ein Getränk in die Wirtschaft. Bevor ich mich setzen kann, nimmt mich Maria, die Wirtin, zur Seite.

"Du weißt, dass gestern dein HB wieder hier war."
"Ja, der Mann hat mir eine SMS geschickt, dass sie auch da sind. Darum bin ich dann nicht gekommen."
"Er hat sich gestern noch ziemlich aufgeführt. Nachdem dein Mann gegangen ist."
Ich schaue sie erstaunt an.
"Ja, er hat sich aufgeregt, dass er sich dass nicht gefallen läßt, dass dein Mann keine Zeit für ihn hat. Und das dein Mann schuld hat, dass du dich nicht mehr mit ihm triffst. Du bist seine Schwester und da hat er schon die älteren Rechte auf dich. Das ist Familie. Pass auf, der Mensch kann sehr gemein werden, dass spüre ich."

Er hat bald Geburtstag und ich nehme an, darum geht es ihm bei der ganzen Aktion.
Er ist nicht in der Lage zu sagen, dass er eine Geburtstagsfeier plant und uns gerne dazu einladen möchte. Und auch mit einer Absage muss man bei so einer Einladung rechnen.

Der Supervisor warnte mich vor einiger Zeit, dass ich vor dem Stalker Halbbruder aufpassen muss. Bekommt er nicht seinen Willen, kann er nicht herrschen über mich, gebe ich ihm die Liebe nicht, wird er mich verletzen wollen.
Wir waren einer Meinung, dass er mich nicht körperlich verletzen wird, aber ich muss damit rechnen, dass er versucht mich zu belangen.
Verdächtigungen, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Erbteilung gegeben hat (haben wir schon gehabt),  wieviel während der Sachwalterschaft an Geld ausgegeben wurde (wird noch kommen, zum Glück sind alle Rechnungen vom Gericht abgesegnet worden), ein besonderes Hirschgeweih wurde durch mich gestohlen (mit diesem Anwurf hat er mich schockiert), ...


Und auch bei ihm geht es um die Liebe, vor allem um die fehlende Liebe von Menschen wie seiner Mutter und seinem Vater, ... die ihn immer abgelehnt haben.
Seine Großeltern, bei denen er aufwuchs, ließen ihm viel Fehlverhalten durchgehen. Ich sag mal, die wollten sich in Wirklichkeit auch nicht mit ihm auseinandersetzen.
Das kleine Arschloch tyrannisierte die beiden Alten.
Von seinen Mitschülern und den Nachbarskinder wurde er immer wieder hergeschlagen, weil er so eine blöde Klappe geführt hat. Und sie wurden das kleine Arschloch auch nicht los, ständig ist er ihnen nachgestiegen und war beschissen.

Exactement das gleiche Verhalten wie ich es mit ihm erlebe.

Ein Stalker erträgt keine Zurückweisung, ein Nein ist bei ihm nicht gültig. Stalker haben ein verzerrtes Realitätsempfinden, sie sehen sich als Opfer, als den armen Zurückgewiesenen und Gedemütigten. "Diese Menschen sehen nicht ein, was an ihrem Verhalten falsch sein sollte. Sie empfinden ihr Vorgehen als absolut gerechtfertigt. Es sei daher fast unmöglich, sie von ihrem Unrecht zu überzeugen. Das Opfer sollte unbedingt versuchen, klare Grenzen zu ziehen. Anrufe, SMS, .... am besten ins Leere laufen lassen." (zit. Jens Hoffmann, Psychologe)

Er wird auch noch an mich herantreten mit seiner Forderung.


Habe ich es eigentlich erzählt, dass der Gerichtstermin vom 14.09.2017 wegen Krankheit des Richters verschoben wurde. Meine Geduld wird auf eine harte Probe gestellt.




2 Kommentare:

  1. Dann pass mal gut auf Dich auf, nicht dass der Kerl noch tätlich wird. Wohnt der denn bei euch im Dorf oder wo kam der her? Wenn ich mich recht entsinne, hast Du vorher doch gar nichts von dem gewusst? Jedenfalls finde ich es bedrohlich, wie zudringlich der wird. Im Grunde gehört der ja in eine psychiatrische Einrichtung, aber den wird man sicher nicht freiwillig dazu bringen, sich Hilfe zu holen. Da bleibt nur, gut auf sich selbst aufzupassen, vielleicht gibt er irgendwann auf, wenn ihr ihn nur lange genug ignoriert. Zu wünschen wäre es Dir und Deinem Mann!

    Lg
    Clara

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  2. Der Kerl muss an die 20 Kilometer zu meinem Dorf fahren! Und er ist sich nicht zu blöd dafür.
    Ich hoffe auch, dass er von mir ablässt, wenn ich einfach kein Interesse mehr an ihm zeige. Wenn er ein anderes Objekt seiner Begierde finden würde, wäre ich aussen vor, dann hätte ich vermutlich meine Ruhe vor ihm.
    Ich werde ihm so es geht aus dem Weg gehen. Wenigstens drängt er mir keine Geschenke mehr auf. Und gleichzeitig macht er mich blöd an. Es ist ja irre.
    Wenn der Prozess mit der Pflegerin vorbei ist, hoffe ich, dass ich ihn los bin.
    Immer wieder mühsam.
    Was jetzt verschwunden ist, ist das schlechte Gewissen. Das war schlimm.

    GlG
    Ganga

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